Die Leute reden schon- wie fühlt sich eigentlich Heimat an??

Zwei Leben

Ihr lieben Wolkengucker!!

“Psst! Die Leute reden schon!”

“Was sollen denn die Nachbarn denken!?”

…all diese -Verzeihung- verdammten Phrasen, könnten direkt für meine Heimatstadt erfunden worden sein.

Eine Lokalzeitung in Heimatnähe hatte letzte Woche ihr Interesse an meiner Wolkenschreiberei bekundet. Aber nur, wenn mein Wohnort wieder Ostwestfalen Lippe heißt.

Und sofort sprang mein Kopfkino an.

Auf der Leinwand eine Dramödie: Lilia Wolke bricht ihre Zelte in der Hauptstadt ab. Und zieht erneut um. Zum gefühlt 100. mal. Zurück von Berlin nach Detmold. Zurück von Neuanfang zu ihren Wurzeln.

Hmm…  Also, ich weiß ja nicht.

Diesen Film würde ich mir gerne erstmal bis zum Ende anschauen. Mit Popcorn, Nachos und ner Menge Bier.

Man sagt: Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl. Aber man verschweigt: Welches Gefühl es ist.

Wahrscheinlich deshalb, weil sich Heimat für jeden anders anfühlt.

Früher dachte ich immer, dass mich meine Heimat erdet. Momentan denke ich, dass sie mich runterzieht. Weil Heimat auch Vergangenheit bedeutet. Und ich finde es manchmal schwierig, da einzutauchen.

Nach zwei bis drei Tagen frischer Heimatluft bekomme ich Hummeln im Hintern und ein überrollendes Gefühl von “Hilfe! Mein wirkliches Leben zieht an mir vorbei! Ich will hier weg”.

Detmold ist ein Ort, wo ich wahrscheinlich über das zehnjährige Jubiläum des Fußballvereins schreiben müsste.

Ich würde aber lieber über die Tatsache schreiben, dass die Stadt eine Überdachung neben das Parkhaus gebaut hat, um die “Penner” outzusourcen.

Und darüber, dass meine Freundin jetzt schon dreimal nachts Sticker auf Mülleimer geklebt hat, auf denen stand: “Bitte stellt eure Pfandflaschen neben die Mülleimer für die Obdachlosen.” Und dass diese Sticker am nächsten Morgen abgenommen wurden, mit der Begründung, sie verschandeln das Stadtbild.

Was für eine Oberspießigkeit hoch zehn ist das denn?!

Da ich mich ja aber 2015 in gelassener Dankbarkeit und Optimismus üben wollte (Pfff… Das nervt mich jetzt schon 🙂 ), habe ich einige Lektionen gesammelt, die ich von und über Heimat gelernt habe ->

 

Lilia’s Checkliste “Heimatmelodien mal anders”:

1. Heimat ändert sich nicht, nur weil du es tust -> sie ist Sicherheit, aber auch Gewohnheit!

2. Heimat kann man niemals loslassen -> man trägt sie im Herzen!

3. Heimat ist da, wo deine Kindheit ist!

4. Heimat birgt deine Wurzeln -> sie zeigt dir, wer du bist & wer du nicht bist!

5. Heimat gibt es nur eine -> Zuhause gibt es viele!

 

Laut einer Emnid-Umfrage ist 92% der Deutschen ihre Heimat wichtig und es gibt aktuell einen Trend, wieder dorthin zu ziehen.

Als ich letztes Wochenende durch meine Heimatstadt ging, traf ich eine alte Schulfreundin mit Kinderwagen. Sie erzählte mir, dass sie aus Köln wieder da sei, damit ihr Kind mit ihren Cousinen im heimischen Garten spielen kann.

Ich war kurz neidisch auf ihr Angekommensein.

Dann ging ich in einen SchreibwarenladeWolkenstiftn und kaufte mir vom Taschengeld meiner Eltern (ja, das kriege ich echt jedesmal noch zugesteckt…) einen wunderschönen Füllfederhalter mit Gravur.

Damit möchte ich im Frühjahr mein zweites Buch schreiben. So ganz oldschool mit Hand und Tinte. An der Spree.

Vielleicht schiebe ich ja dann in ein bis zwei Jahren mein Buch in einem Kinderwagen durch die Heimat.

 

…was dann wohl die Nachbarn sagen. 😉

 

Berlin ist sexy & fühlen macht frei,

Eure L*

 

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Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin- Die meisten haben ja gar nichts Böses im Sinn- Es ist ihr eintöniges Leben was sie quält – Und der Tag wird interessanter- Wenn man Märchen erzählt

Die Ärzte (Lasse Redn)

Lilia Wolke

Lilia Wolke ist eigentlich ganz schön seriös & hat jahrelang als gelernte Arzthelferin und studierte Diplom Medizinökonomin im öffentlichen Dienst von Gesundheitseinrichtungen gearbeitet. Dann wurde Lilia 30 und unglücklich. Sie ertrug ihr leeres Leben nicht mehr. Also beschloss sie ihre Sicherheiten aufzugeben, löste ihren Bausparer auf und zog nach Berlin. Sie schrieb ein Buch über ihre Auszeit und träumt davon, es eines Tages gedruckt in ihren Händen zu halten. Vor Kurzem wurde Wolke dann tatsächlich an der Berliner Journalistenschule angenommen und arbeitet gerade fleißig daran, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Lilia lebt jetzt seit zwei Jahren als Journalismusstudentin in Berlin, frei nach ihrem Motto: Ich bin verrückt - und das ist auch gut so !!

18 opinions on “Die Leute reden schon- wie fühlt sich eigentlich Heimat an??”

  1. Für jeden bedeutet Heimat etwas anderes, manche sind tief verwurzelt mit ihr, andere lassen sie nur zu gerne hinter sich, wegen der Nachbarn oder aus anderen Gründen ;-).
    Einige kommen nach langer Zeit wieder zurück in die Heimat und fühlen sich dann erst wieder heimisch.
    Jeder fühlt anders, du beschreibst es sehr schön. Ich bin schon lange weg aus meiner Heimat Tirol und mich zieht es immer mehr wieder dorthin, bin aber hier in Deutschland durch Arbeit und Freunde auch schon verwurzelt…..Zwei Heimaten wohnen, ach in meiner Brust!
    LG, Reni

    1. Ach liebe Reni, das versteh ich nur zu gut! Wer weiß, vielleicht verschlägt es uns ja doch eines Tages wieder in den heimischen Garten… Oder hast du schon so richtig in Deutschland Wurzeln geschlagen und Anker geworfen?? 😉
      Gut, dass wir ein großes Herz haben- da passen ganz viele Heimaten rein… 💝 Kuss L*

      1. Ich könnte mir vorstellen, wenn ich in Pension bin, wieder zurück zu gehn. Vorher ist es schon rein beruflich gesehen eher unmöglich oder schwierig.
        Ein großes Herz, ja, das haben wir wohl 🙂
        ♥ Reni

  2. Ja, das Thema hatte ich ja auch schon mal. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen zu leben, wo ich aufgewachsen bin. Wir hatten dort zwar eine super Kindheit, aber das kann man ja mit heute eh nicht mehr vergleichen. Viele Plätze, an denen wir früher spielten oder uns trafen, existieren gar nicht mehr, und es gibt auch keine Alternativen. Die Schule ist viel grösser geworden, es gibt mehr Probleme. Nö… das wäre nicht erstrebenswert.

    1. Ja das versteh ich gut! In Detmold wird die Jugend gerade auch -parallel zu den “Pennern”- systematisch ausgegliedert… Das ist irgendwie so eine unwirkliche heile Welt da.
      Neid, dass du dich schon entschieden und Wurzeln geschlagen hast! Werde das auch mal nach Familienplanung entscheiden, hab ich jetzt entschieden ☺️😘

        1. Ich finde nicht, dass das egal ist. Weil es wichtig ist, eine klare Sicht auf die wirkliche Welt zu behalten.. Das Gefühl für die Wirklichkeit geht sonst schnell verloren.
          Aber für eine schöne Kindheit ist es bestimmt gut. Denke aber, dass dazu mehr gehört als saubere Straßen 😉

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