Eine neue Arbeit ist wie ein neues Leben- wie fühlt sich Journalismus an??

eine box leben

Ihr lieben Wolkengucker!!

Letzte Woche war es soweit. Nach langem warten und zittern, wurde es geliefert: Mein neues Leben 2.0. In einer Box.

Aufgeregt schaufelte ich die grünen (aber recycelbaren!) Schnippsel zur Seite, um es in aller Ruhe zu begutachten. Es fühlte sich glatt an, mein neues Leben. Mit einigen Kerben der letzten Jahre. Aber im Großen und Ganzen, funkelte es wunderbar neu in dieser Box.

Dass in ihr mal Journalismus liegen würden, hätte ich niemals geahnt.

Nach einem Studium für die Sicherheit, einer Ausbildung für meine Eltern, einigen Gasthörerschaften und einem Semester völlig fehlstudiert, stehe ich nun vor einer ganz neuen Erfahrung: Das erste Mal in meinem kleinen Wolkenleben, lerne ich etwas, das mich wirklich interessiert.

Mein Leben lang, war ich auf der Suche. Ich fand es nie sonderlich schlimm. War wie ein Kind. Wollte an einem Tag Lokomotivführer werden. Und am nächsten Polizist. Die letzten Jahre machte sich aber eine neue, quälende Erkenntnis in mir breit: Auf der Suche sein ist manchmal anstrengend. Aber nicht zu wissen, was man will, eine echte Krise.

Um sie zu überwinden, half mir nachdenken leider wenig. Mir half nur rumprobieren.

Also bewarb ich mich vor zwei Jahren kreuz und quer. Mit nur einer Regel: Meine Arbeit sollte sich nach Spaß anfühlen. Als ich dann die Anzeige “Kiez- Reporter gesucht” las, war ich natürlich sofort mit meiner Bewerbung dabei. Und staunte nicht schlecht, als ich mich zum Vorstellungsgespräch in einer waschechten Zeitungsredaktion im “Berliner Kurier”- Gebäude wiederfand.

“Ja. Versuchen wir es doch einfach mal”, sagte mein heutiger Chefredaktuer.

Gesagt. Getan. Und schon eine Woche später wurde ich die neue Karla Kolumna für meinen Kiez.

Seitdem ist viel passiert. Ein paar Titelseiten, stolz wie Bolle sein, schräge Momente, verrückte Leute und die wichtige Erkenntnis, dass Schreiben nicht nur mein Leben ist. Nein. Es hält mich am Leben.

Die letzten Jahre fand ich eher selten einen guten Grund, um morgens aufzustehen. Aber schreiben, für mich, für mein Herz, für die Zeitung, ging einfach immer. Schreiben zog mich jedes mal wieder zurück ins Leben.

Vor jedem Artikel fühlte ich panisch: Nein, dieses Mal schaffe ich es wirklich nicht. Ich werde versagen. Werde mich blamieren. Und war jedes einzelne Mal überrascht, was am Ende tatsächlich aus meiner Feder sprang.

Denn eine Berufung leben, macht nicht nur glücklich. Nein, sie macht wahnsinnige Angst. Und dann, fast im gleichen Moment, wird diese Angst geheilt. Weil etwas aus dem Herzen zu tun, jede noch so hartnäckige Furcht irgendwann in die Flucht schlägt.

Hier meine fünf verrücktesten Lieblingsmomente als Kiezreporterin vom Dienst ->

 

Lilia’s Checkliste “Best of Karla Kolumna”:

1. Ich aß Häppchen mit – damals noch – Bürgermeister Wowereit und machte dabei Selfies-> oder eigentlich aß ich Fingerfood mit allen zehn Fingern- und er figurbewusste Salzstangen !

2. Ich kam völlig unvorbereitet zu einer Ausstellungseröffnung  -> erschreckte mich zu Tode, als ich den toten Künstler Ai Weiwei am Boden der Uferhallen liegen sah und las nach einiger Zeit in den wertenden Mienen der Kunstkritiker, dass er aus Silikon ist !

frech und wild3. Ich bekam winzig kleine Miniatur- Burger in einem 5-Sterne-Hotel über den Dächern Berlins serviert -> und schaute mir dabei seltsame Kunst aus französischen Backförmchen an !

4. Ich wurde mehrere Male in einem Gefängnis weggeschlossen -> und schaute mir die wunderbaren Herzblut- Aufführungen von aufBruch an !

5. Ich saß auf der Fashion- Week neben Dschungelcampstars und anderen Z- Promis und trank mit ihnen gratis Gin-Tonic mit echten Gurkenscheiben -> dort entstand übrigens -leicht auf Gin und Gurke -das Profilfoto für diesen Blog !

 

Aber das aller Schönste am Journalismus ist: Er hilft mir die Welt nochmal neu zu entdecken.

Aber dieses mal mit Rückenwind.

… und gezücktem Füller 😉

 

Leben ist sexy & fühlen macht frei,

Eure L*

 

Fang an zu graben – denn dort ist es verborgen- genau da findest du- das Gold von morgen

Alexa Feser (Gold von Morgen)

Lilia Wolke

Lilia Wolke ist eigentlich ganz schön seriös & hat jahrelang als gelernte Arzthelferin und studierte Diplom Medizinökonomin im öffentlichen Dienst von Gesundheitseinrichtungen gearbeitet. Dann wurde Lilia 30 und unglücklich. Sie ertrug ihr leeres Leben nicht mehr. Also beschloss sie ihre Sicherheiten aufzugeben, löste ihren Bausparer auf und zog nach Berlin. Sie schrieb ein Buch über ihre Auszeit und träumt davon, es eines Tages gedruckt in ihren Händen zu halten. Vor Kurzem wurde Wolke dann tatsächlich an der Berliner Journalistenschule angenommen und arbeitet gerade fleißig daran, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Lilia lebt jetzt seit zwei Jahren als Journalismusstudentin in Berlin, frei nach ihrem Motto: Ich bin verrückt - und das ist auch gut so !!

20 opinions on “Eine neue Arbeit ist wie ein neues Leben- wie fühlt sich Journalismus an??”

  1. Klingt nicht nach Beruf, sondern nach Berufung, meine Liebe.
    Dein Artikel macht mir Mut. Meine Große ist nämlich gerade an ihrer Maturarbeit und schreibt eine Reportage über Flüchtlinge, die inzwischen das Bleiberecht haben. Sie hatte neulich einen argen Durchhänger. Angst, dass es nichts wird, keinen Plan, wie sie es aufbauen soll usw.
    Aber wenn das selbst den Profis so geht… 😉

    1. Hihi Profis… ☺️ Aber das ist wirklich ganz normal!! Und gehört zum schreiben! Man braucht etwas Zeit um rauszufinden, wessen Meinung wirklich wichtig ist- und wann man lieber nur auf sich hört! Am Ende ist alles vergessen 😉
      Das Thema klingt übrigens super interessant! Ich drück ihr die Daumen!!

      1. Ah ok – und Entscheidung getroffen? Und wie läuft die Ausbildung/Studium ab? Von zu Hause und/oder mit Präsenzphasen? Drücker und Herzlichen Glückwunsch, nun nimmt das alles Gestalt an – schon Wahnsinn oder 🙂

        1. Ja echt! Habs noch gar nicht so richtig begriffen ☺ Habe jeden Monat eine Hausarbeit abzuliefern und kann freiwillig Tutorien besuchen. Außerdem gibt es noch regelmäßige Redaktionsbesuche in Verlagen, Zeitungen… Der Spagat zwischen den Welten fällt mir noch etwas schwer, weil ich ja in der Charité auch gerad in der Einarbeitung bin.. Aufregend alles 😉

  2. Musst oder kannst du eine Arbeit pro Monat schreiben? Weil dann entzerrt das ja ein wenig. Bin grad in den Endzügen meiner Ausbildung zur psychologischen Beraterin, wo ich immer Studienbriefe (12 an der Zahl) von zu Hause aus machen konnte mit Einsendeaufgaben – dann wann es eben passte mit ner Vollzeitbeschäftigung, dann hatte ich eine praktische Seminarwoche und gerade schreibe ich an meiner Abschlussarbeit.

    1. Ich kann- aber es fühlt sich eher wie ein ‘muss’ an.. Möchte nämlich unbedingt die Regelstudienzeit einhalten- hab finanziell keine Zeit … ☺️
      Super, dass du schon in den Endzügen bist! Planst du was ‘selbstständiges’ damit?

      1. Das kann ich sehr gut nachvollziehen – und ich hab einfach keine Lust mehr, dass noch länger zu ziehen 🙂 auf kurz oder lang mach ich mich auf jeden Fall selbstständig. Aber ob das nächstes Jahr schon so sein wird weiß ich nicht. Vielleicht mach ich mit meinen 30 doch erst noch mal nen Praktikum 🙂

  3. Wenn auch spät, die besten Wünsche für den Neuanfang. Entscheidend ist, dass es sich für dich richtig anfühlt, alles andere wird sich finden. Endlich in dem Bereich zu arbeiten bzw. zu lernen, der einem wirklich liegt, ist eine wundervolle Sache. Kenne diese Findungsphase sehr gut und hoffe, bald auch da angekommen zu sein, wo ich hin möchte. Drücke dir auf jeden Fall die Daumen, dass du den Spagat gut meisterst. Du schaffst das schon.

    Ganz liebe Grüße, Silke

    1. Liebe Silke- spät gibts doch bei uns nicht 😉 Vielen Dank für deine Wünsche- ich kann sie wie immer gut gebrauchen!!
      Ich drücke dir ganz, ganz fest die Daumen, dass sich deine Wünsche auch bald erfüllen! Behalte dein Ziel im Auge- und volle Fahrt vorraus 😉
      Ich übe jetzt weiter Spagat! Kuss L*

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