Religion für Herzen- wie fühlen sich Werte an ??

 

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Ihr lieben Wolkengucker!!

In Berlin erlebe ich häufig Begegnungen der dritten, ja manchmal sogar vierten und fünften Art. Aber eine blieb mir besonders im Herzen hängen und hatte sich dort verheddert.

Wie jedes Wochenende fuhr ich mit meinem Wolkenrad zum Wochenmarkt, um mich mit genügend Leckereien für ein ganzes Jahr einzudecken. Die ersten Sonnenstrahlen riefen nach einem Eis für den Heimweg. In Gedanken sah ich in meiner Hand schon die handgemachte Waffel, schmeckte selbstgemachtes Karamelleis auf meiner Zunge, als auf einmal ein Mann vor mir lag.

Der Mann lag mitten auf meinem Fahrradweg, bewegte sich nicht und sah aus wie tot. Wie ferngesteuert, sprach ich ihn an. Erst leise und dann immer lauter. Irgendwann reagierte er und hob den Kopf. Erleichtert fiel mir ein, ihm ein Wasser aus dem nächsten Späti zu holen. Der Gedanke war gerade vom Herz im Hirn angekommen, als ein Mann eine volle Flasche Wasser neben den Ohnmächtigen auf den Boden stellte.

“Oh, vielen Dank!!”, sagte ich. “Die Idee hatte ich auch gerade!” Traurig schaute der Mann mich an und sagte: “Tja, da bist du wohl die Einzige. Schau dich mal um!”

Plötzlich fiel es mir auf: Eine Traube von Menschen saß um uns herum und starrte uns an. Der Mann hatte wie tot inmitten von Menschen auf Sonnenstühlen gelegen. Sie schlürften ihren Sommerdrink, während er dort lag und schauten teilnahmslos zu, wie zwei Menschen versuchten, ihm zu helfen.

Der Mann war ein Obdachloser und hatte vielleicht zuviel getrunken. Vielleicht war er auch krank, denn er hatte ein Krankenhausband um sein Handgelenk gebunden. Vielleicht war er aber auch einfach nur ein Mensch, der Hilfe brauchte.

Irgendwann stand er auf, bedankte sich und ging in das Krankenhaus nebenan. Wütend schob ich mein Fahrrad durch die Menge von Gaffern. Als ich Zuhause ankam, war meine Wut verflogen, und Traurigkeit legte sich über mein Herz. Um nicht in ihr versinken, versuchte ich die Menschen um mich herum zu verstehen. Und einigte mich mit mir selbst auf Unsicherheit.

Vielleicht war ihre Angst größer, als ihre Courage. Vielleicht hätte es einen Unterschied gemacht, wenn der Obdachlose einen Anzug getragen hätte. Und vielleicht hatten sie einfach Angst, etwas falsch zu machen. Ohne zu merken, dass sie den größten Fehler begingen, wenn sie gar keine mehr machten.

Hier fünf Werte, an die ich mein Herz immer erinnern möchte ->


 

Ein Herz für Menschen

Lilia’s Checkliste “Religion für Herzen”:

1.Urteile nicht -> wenn es einem Menschen schlecht geht !

2.Überlege -> was er braucht !

3.Hilf jemandem in Not -> auch wenn er nicht zurück helfen kann !

4.Interessiere dich -> wie es den Menschen um dich herum wirklich geht !

5.Schau hinter die Mauer -> wenn du einen Menschen liebst !

 


Und dann begriff ich, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Ich freute mich über den einen Menschen, der mit mir zusammen geholfen hatte. War glücklich, dass einer so tickte wie ich. Und ließ die anderen links liegen.

Ich beschloss, mehr von diesen Menschen zu finden. Denn auch Kämpferherzen gewinnen ihre Schlachten nur mit Rückendeckung.

 

Werte sind sexy & fühlen macht frei,

Eure L*

 

Imagine there’s no countries- It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for- And no religion too

John Lennon (Imagine)

 

Lilia Wolke

Lilia Wolke ist eigentlich ganz schön seriös & hat jahrelang als gelernte Arzthelferin und studierte Diplom Medizinökonomin im öffentlichen Dienst von Gesundheitseinrichtungen gearbeitet. Dann wurde Lilia 30 und entdeckte ihre Lust am Schreiben. Also beschloss sie ihre Sicherheiten aufzugeben, löste ihren Bausparer auf und zog nach Berlin um dort ihr Glück mit Worten zu versuchen. Gerade hat sie ihr Buch über die Liebe fertig geschrieben und träumt tief in sich drin davon, es eines Tages in ihren Händen zu halten. ...aber Pssst <3

2 opinions on “Religion für Herzen- wie fühlen sich Werte an ??”

  1. Liebe Lilia,

    wie schön das dein Herz zu anderen Herzen spricht!
    Und vorallem alles was du schreibst, was wir bei anderen vermissen und manche Menschen nicht in der Lage sind zu tun – ist meistens auch, weil sie so mit sich umgehen. Jede Hilfe, Unterstützung, Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe anderen gegenüber ist gleichzeitig auch ein Selbigen an uns zurück 🙂

    Drücke dich von Herzen – und auf ein Neues: Bin ab kommende Woche in Berlin!?!
    Belinda

    1. Meine liebe Heimkehrerin!!

      Vielen Dank -wie immer- für Deine weisen Worte! So habe ich es noch nie gesehen, und wollen wir hoffen, dass diese Menschen nie am Boden liegen und auf andere angewiesen sind.. :/ Heute ging ich an einem Obdachlosen vorbei, der ein Schild vor sich stehen hatte, auf dem stand: “Ich war mal so wie du”. Da musste ich echt schlucken.

      Würd mich so freuen, wenn wir in Berlin weiter philosophieren 🙂 Hast Du meine Handynummer noch?? Drück Dich zurück <3

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