Vergangene Herzen – wie fühlt sich Vergangenheit an ??

 

Ihr lieben Wolkengucker!!

Immer wenn ich in die Heimat fahre, dann ist es wie eine Zeitreise in die Vergangenheit.

Mein kleiner Aygo mutiert zu einer hochmodernen Zeitmaschine, die mich innerhalb weniger Stunden in eine andere Welt befördert. Eine vergangene Welt, in der mein vergangenes Ich wartet.

Hier in Berlin könnte mein Leben kaum gegensätzlicher sein: Laut, anstrengend, manchmal einsam, manchmal voller Menschen, aber immer voller Träume.

Und dann reise ich hinaus aus dieser Wundertüte, passiere das Ortsschild meiner Heimatstadt und reiße als erstes die Autofenster weit runter. Ich fühle, wie sich meine Lungen mit frischer Waldluft und mein Herz mit Sicherheit füllen, und aufsteigende Heimatliebe kribbelt unter meiner Haut.

Ich genieße, dass ich nicht drüber nachdenken muss, wohin ich fahre, kenne jede Straße und jede Abkürzung durch jede kleine Gasse. Mit jedem Tag verstummt der Großstadtlärm mehr und mehr in mir, und Stille übernimmt.

An jeder Ecke treffe ich Menschen, die meinen Namen und meine Geschichte kennen, meine Vergangenheit kennen, ein Teil von ihr sind, und sie alle wissen, woher ich komme. Aber nur wenige von ihnen wissen, wohin ich gehe.

Und auf einmal fühlen wir uns alle wieder wie sechzehn, tanzen, lachen, genießen die Leichtigkeit vergangener Tage, fühlen die Verbindung zwischen uns, die niemals weg war. Nur überlagert von all dem Stress des Erwachsenwerdens und Zukunftsschlösser schmiedens.

Eine ganze Nacht sind wir versunken in der Magie vergangener Zeiten und grüner Schnäpse.

Mit jedem einzelnen von ihnen trinke ich einen und reise am nächsten Tag mit Kater im Kopf und Frieden im Herzen zurück in die Zukunft.

Auf dem Heimweg breitet sich das beruhigende Gefühl in mir aus, dass es immer diesen einen Ort in meinem Herzen geben wird, an dem alles so bleibt, wie es ist. An dem sich die Welt etwas langsamer dreht und manchmal sogar ganz still steht. Und ich fühle die Menschen, die auf dieses Gefühl verzichten müssen.

Heimat ist wie ein Spiegel, in dem Du sehen kannst, wie Dein Herz gewachsen ist. Auf magische Weise spiegelt sich Vergangenheit in ihm, Dein vergangenes, deaktiviertes Ich, und Du begreifst: Manchmal ist das einzige, was sich verändert hat.. Du selbst.

Hier fünf Dinge, die ich über Vergangenheit gelernt habe ->

 

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Lilia’s Checkliste “Vergangene Herzen”:

1. Vergangenheit ist ein Teil von Dir -> schließe Frieden damit!

2. Bereue nur die Dinge -> aus denen Du nichts gelernt hast!

3. Wenn Du reich werden willst -> grab’ in Deiner Vergangenheit!

4. In ihr liegen Deine Schätze -> von morgen!

5. Manche Wunden heilen erst -> wenn Du sie nochmal aufreißt!

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Und wenn es weh tut, dann sagen viele: “Schau immer nach vorne und nie zurück”!

Aber ich glaube an die Magie der Vergangenheit. Dass wir solange zurückreisen sollten, bis unsere Herzen wieder leicht werden und ganz von alleine fliegen –

genau an den Ort, für den sie bestimmt sind.

 

Vergangenheit ist sexy & fühlen macht frei,

Eure L*

 

Und wenn ihr bei mir seid- im Geist allein,

seid ihr die Sonne, die scheint, Himmel, der weint,

Boden für meinen Keim.

Curse (Entwicklungshilfe)

Lilia Wolke

Lilia Wolke ist eigentlich ganz schön seriös & hat jahrelang als gelernte Arzthelferin und studierte Diplom Medizinökonomin im öffentlichen Dienst von Gesundheitseinrichtungen gearbeitet. Dann wurde Lilia 30 und unglücklich. Sie ertrug ihr leeres Leben nicht mehr. Also beschloss sie ihre Sicherheiten aufzugeben, löste ihren Bausparer auf und zog nach Berlin. Sie schrieb ein Buch über ihre Auszeit und träumt davon, es eines Tages gedruckt in ihren Händen zu halten. Vor Kurzem wurde Wolke dann tatsächlich an der Berliner Journalistenschule angenommen und arbeitet gerade fleißig daran, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Lilia lebt jetzt seit zwei Jahren als Journalismusstudentin in Berlin, frei nach ihrem Motto: Ich bin verrückt - und das ist auch gut so !!

Comment on “Vergangene Herzen – wie fühlt sich Vergangenheit an ??”

  1. Hallo liebe Lilia,

    ich kann deine Gefühle in der Heimat sehr gut nachvollziehen. Zwar hat es mich nicht so richtig weit von meinem Elternhaus über die Jahre hin verschlagen. Dennoch freue ich mich aktuell immer wieder aufs Neue, wenn ich zu meinen Eltern oder weiter zu unserem neuen Häuschen (welches sich noch im Bau befindet) fahre. Hier kenne ich auch fast jede Straße, weiß von Abkürzungen und Schleichwegen die ich intuitiv einschlage, egal ob mit dem Auto oder dem Rad. Da kann das Navi getrost in der Tasche bleiben. Auch wenn für mich Zuhause immer mehr mit Menschen als mit Orten zusammenhängt so ist Heimat doch eine Mischung aus Menschen, Orten und Erlebnissen, die man damit verbindet. Beispielsweise denke ich ich immer an meine (inzwischen bereits verstorbenen) Großeltern, wenn ich das Fenster der Wohnung sehe, in der sie bis vor 1,5 Jahren noch gewohnt haben. Es liegt gegenüber meinem Elternhaus, daher ist es zwangsläufig in meinem Blickfeld. Auch erinnere ich mich oft an Dinge aus meiner Schulzeit, wenn ich den nahe gelegenen Park mit meinen Patenkindern besuche oder durch die kleine Innenstadt schlendere. Auch wenn es für meinen Mann die größere räumliche Veränderung ist, wenn wir ins Haus ziehen, so ist es für mich doch ein Stück weit Rückkehr in die Heimat.

    Ganz liebe Grüße, Silke

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